Diagnostische Checklisten für Lyme-Borreliose (LB)

Dr.med. John D.Bleiweiss
April 1994

Übersetzung und Links von

Dr.rer.nat. Joachim Gruber

Das amerikanische Original des Essays
"Wann soll ich Lyme-Borreliose vermuten?"
findet sich bei http://cassia.org/essay.htm

Diese Seite ist eine Informationshilfe bei der Beantwortung der Frage "Habe ich die Symptome der Lyme-Borreliose?" Sie enthält

  1. zwei diagnostische Werkzeuge für Lyme und
  2. die Checkliste für die Candidiasis - (Pilz-Infektions-) Störung - dies ist eine allgemein auftretende Begleiterscheinung von Lyme.

Beides zusammen sollte den Lesern ein gutes Gefühl dafür vermitteln, ob sie mit der medizinischen Diagnose fortfahren sollten. (Siehe auch "Consensus Diagnostic Categories and Treatment Guidelines" in The Lyme Disease Network, LymeNet Newsletter 1, 12, 1993)

Anmerkungen des Übersetzers:
Weitestgehend wurde die deutsche Schreibweise der medizinischen (aus dem Lateinischen oder Griechischen stammenden) Fachausdrücke gewählt, d.h. in Übereinstimmung mit den medizinischen Gewohnheiten in Deutschland im wesentlichen c durch k oder z ersetzt.

Im englischen Sprachraum gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Mediziner- und der Umgangssprache. Das ist im Deutschen anders: Unsere Umgangssprache -und damit der medizinische Laie- kennt nur eine geringe Anzahl von deutschen medizinischen Worten. Dieser Aufsatz richtet sich aber auch an den Laien, und daher habe ich für die medizinischen Worte, die in der Umgangssprache fehlen, eine kurze Erklärung in Klammern hinzugefügt. Ich habe sie folgenden beiden Lexika entnommen:

  1. Boss, Norbert, "Roche Lexikon Medizin", Hrsg. v. d. Hoffmann-La Roche AG., 3., neubearb. Aufl., URBAN & SCHWARZENBERG, 1993, ISBN 3541112131, Preis DM 58.00,
  2. Pschyrembel, Willibald, "Klinisches Wörterbuch", 258., neubearb. Aufl., GRUYTER, 1998, ISBN 3110156768, PREIS: DM 52.00.
Diese Lexika gibt es auch jeweils als CD ROM im Windows-Format.

Öfters brauchten auch diese Erklärungen wieder medizinische Worte, die der Umgangssprache fremd sind. Das zeigt, daß wir Laien zusammen mit dem Wunsch nach größerer Verantwortung für unserer Gesundheit auch unsere Sprache um die medizinischen Worte erweitern müssen.

Häufig auftretende lateinische oder griechische Wortteile habe ich ins Deutsche übersetzt, wo sie zum ersten Mal auftauchen.


Index

der im Text genannten Erkrankungen und medizinischen Begriffe

Wenn Sie diese Seite auf Ihren Rechner kopieren, tun Sie dies auch mit dem Essay von Dr. Joseph J. Burrascano und den Erklärungen der medizinischen Begriffe. Von dieser Seite weisen viele Links auf beide Dateien.


Die Kurz-Checkliste

Dies war die anfängliche Checkliste, die mich auf den Weg zu meiner Lyme-Diagnose brachte. Sie ist den Burrascano-"Richtlinien" entnommen (hier liegt meine deutsche Übersetzung davon).

Machen Sie sich eine eigene Aufstellung der "Ja"-Antworten. Obwohl viele der Symptome ganz allgemein verbreitet sind oder auf andere Dinge (als Lyme, d. Übers.) hinweisen, zeigen doch eine Reihe von ihnen, daß man sich zu einer weitergehenden Auswertung entschließen muß. (Meine eigene Anzahl von Ja-Antworten war 18 von 46.)

Haben Sie als Teil Ihrer Symptome irgendeines der folgenden gehabt?

    Ja Nein
1. Zeckenbiß (Schildzecke, Hunde-Zecke) J N
2. Hautrötung am Ort des Bisses J N
3. Hautrötung an anderen Stellen J N
4. Gelenk/Muskel-Schmerzen in den Füßen J N
5. Schwellung an den Zehen, am Fußballen J N
6. Schmerzen am Fußenkel J N
7. Brennen in den Füßen J N
8. Shin Splints (Schmerzen der vorderen Unterschenkelmuskulatur) J N
9. Nicht erklärliches Fieber, Schwitzen, Frieren J N
10. Nicht erklärliche Gewichtsveränderung (Verlust oder Zunahme) J N
11. Erschöpfung, Müdigkeit J N
12. Nicht erklärlicher Haarausfall J N
13. Geschwollene Lympfknoten J N
14. Halsschmerzen J N
15. Schmerzen in den Hoden / den Leisten J N
16. Nicht erklärliche Unregelmäßigkeit der Menstruation J N
17. Nicht erklärliche Milch-Produktion (Lactation) J N
18. Empfindliche Blase oder Blasen-Funktionsstörung J N
19. Sexuelle Funktionsstörung oder Libido-Verlust J N
20. Magenbeschwerden J N
21. Veränderte Stuhlgewohnheiten (Verstopfung, Durchfall) J N
22. Schmerzen des Brustkorbs oder Wundgefühl über den Rippen J N
23. Kurzatmigkeit, Husten J N
24. Herzklopfen, Herzstolpern, Block im Herzreizleitungssystem J N
25. Gelenk-Schmerzen oder -Schwellung J N
26. Steifheit der Gelenke, des Nackens oder des Rückens J N
27. Muskel-Schmerzen oder -Krämpfe J N
28. Zucken im Gesicht oder von anderen Muskeln J N
29. Kopfschmerz J N
30. Knacken oder Knarren im Nacken, Nacken-Steifheit J N
31. Kitzeln, Taubheit, Brennen oder Stiche J N
32. Gesichtslähmung (Bell's Palsy) J N
33. Augen/Sehvermögen: Doppelsehen, Schleiersehen, Schmerzen, verstärkte Mouches Volantes (Mücken-Sehen) J N
34. Ohren/Hören: Summen, Klingen, Ohrenschmerzen J N
35. Schwindel, Gleichgewichtsstörung, verstärkte Reisekrankheit J N
36. Benommenheit, Verwirrtheit, Schwierigkeit beim Laufen J N
37. Zittern (tremor) J N
38. Verwechslungen, Verwirrtheit, Schwierigkeiten beim Denken J N
39. Schwierigkeiten beim Konzentrieren oder Lesen J N
40. Vergeßlichkeit, schlechtes Kurzzeitgedächtnis J N
41. Desorientiertheit: Verirren, Laufen zu falschen Orten J N
42. Schwierigkeiten beim Sprechen J N
43. Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Depressionen J N
44. Gestörter Schlaf: zu viel, zu wenig, frühes Erwachen J N
45. Verstärkte Symptome oder schlimmerer Kater nach Alkohol-Genuß J N
46. Herzgeräusche (anamnestisch), Klappen-Prolaps in der Vergangenheit? J N

"Wann soll ich Lyme-Borreliose vermuten?"

Dr. John D. Bleiweiss
April 1994

Dieses Essay ist sehr lang aber auch sehr umfassend in folgendem Sinne: Leser, die Lyme-Symptome vermuten, sollten entweder einige der Abschnitte als zutreffend identifizieren, oder aber, wenn nichts auf sie zutrifft, mit ziemlicher Sicherheit die Möglichkeit von Lyme ausschließen können. (Jeder Arzt, der sich in sorgfältiger Behandlung von Lyme-Borreliose sachkundig machen will, tut gut daran, dieses Essay zu lesen.)

Wegen der Länge des Essays könnten jene, die ein schnelleres diagnostisches Hilfsmittel suchen, nach oben gehen und die Checkliste durchgehen.

 


Inhalt

1. Beginn der Infektion

2. Überträger (Vektoren)

3. Geschichtliches zur Infektion

4. Fraglichkeit definierter Stadien

5. Einflußfaktoren

6. Tagesverlauf

7. Häufigste Differentialdiagnosen

8. Allgemeines Erscheinungsbild

9. Ermüdung

10. Fieber

11. Hautveränderungen

12. Lyme-Enzephalopathie

13. Neurologische Komplikationen

14. Immunsystem

15. Augen

16. Leber

17. Zysten

18. Blase, Nieren

19. Magen, Darm

20. Arthritis

21. Rheumatische Syndrome

22. Herz

23. Kalium- und Magnesium-Mangel, Bluthochdruck

24. Schilddrüse, Nebenniere, Diabetes

25. Geschlechtsspezifische Organe

26. Fuß und Arm, Muskeln


1. Beginn der Infektion

Traditionsgemäß wurde der Allgemeinheit geraten, Lyme-Borreliose (LB) zu vermuten, wenn sich ein rundes oder ovales, sich ausdehnendes Exanthem (Ausschlag, Rötung, Erythema, der Übers.) der Haut 3 - 32 Tage nach einem Zeckenbiß entwickelt, verbunden mit oder gefolgt von einer erkältungsähnlichen Erkrankung.

Diese eingeschränkte Beschreibung ist nur auf einige Fälle anwendbar.

  • Die Exanthema (Rötungen, d. Übers.) in Verbindung mit LB können eine Reihe von Formen annehmen, z.B.
  • Bei vielen Patienten überwiegen
    • neurologische,
    • herzbezogene,
    • arthritische (arthron (griechisch) = Gelenk, d. Übers.),
    • kognitive (cognoscere (lateinisch) = erkennen, d. Übers.) und/oder
    • psychologische Komplikationen.

2. Überträger (Vektoren)

Es ist gut bekannt, daß Zecken und LB zusammenhängen. Trotzdem können andere Vektoren (Übertrager) die Spirochäte (Borrelia burgdorferi; Bb) in sich tragen, die LB erzeugt.Solche schließen ein die

3. Geschichtliches zur Infektion

Der Nachweis von Bb mithilfe von PCR in zwei Mäusen (einer Museums-Datenbank) aus dem Jahr 1894 (Massachussetts) und in Zecken die während des Zweiten Weltkriegs eingesammelt wurden, läßt uns mit großer Sicherheit einen Mechanismusses ansetzen für mögliche lebenslange Exposition und Krankheit, auch vor dem Jahr 1975, dem Jahr der Entdeckung von LB.

Zuweilen wird ein Patient die Symptome, die sich bei antibiotischer Therapie als LB herausstellen, auf die frühe Kindheit datieren. Bevor die Diagnose gestellt wurde, taten Patienten diese Symptome mit der Aussage ab: "Diese Probleme hatte ich schon immer.", eine resignierte Charakterisierung angesichts der Dauerhaftigkeit der Symptome. Diese Resignation geht davon aus, daß die Krankheit nicht heilbar sei. Nachdem eine Therapie mit Antibiotika gegen LB die lang anhaltenden Symptome auflöste, zeigte sich, daß diese Ansicht irrtümlich war.

4. Fraglichkeit definierter Stadien

  • Symptome der LB können
    • innerhalb von Tagen nach der Inokulation mit Bb beginnen oder
    • verspätet auftreten, das aber gewöhnlich innerhalb des ersten bis vierten Monats.
  • Bei Mäusen, in deren Bauchhöhle die Inokulation erfolgte, konnte man bei Biopsie 12 Stunden später Bb im Gehirn nachweisen, die Spitzenkonzentration lag bei 48 Stunden nach der Einimpfung (Lyme borreliosis 1990. Proceedings of the IV. International Conference on Lyme Borreliosis, Stockholm, Sweden, June 18-21, 1990).
  • Dr. Luft hat veröffentlicht, daß er Bb mit PCR im Liquor von Menschen entdeckt hat, zwei Wochen, nachdem nicht-Zentralnervensystem-Symptome auftraten!
    (PCR = Polymerase-Kettenreaktion,
    zerebrospinaler Liquor (liquor cerebrospinalis, CSF) = Gehirn - Rückenmarkflüssigkeit,
    zerebro = das Hirn betreffend,
    spina = das Rückenmark betreffend, d. Übers.)

Wenn Ausbreitung früh auftreten kann, dann ist eine Einteilung der Krankheit in Stadien entsprechend dem augenblicklichen Bild der Symptome vielleicht irrelevant.

  • Abwesenheit von Symptomen, die auf ein bestimmtes Organsystem bezogen sind, schließt nicht notwendigerweise aus, daß Bb sich in diesem Organ befinden.
  • Umgekehrt, weil Symptome möglicherweise durch chemische Vermittler und Autoimmunreaktionen des Wirts hervorgebracht werden (gegen nicht-lebensfähige, aber immunoreaktive DNA-Abschnitte), können Organfehlfunktionen und entsprechende Begleitsymptome an Stellen erscheinen, wo die Spirochäten noch nicht hingekommen sind.

Die daraus folgenden diagnostischen und therapeutischen Probleme sollten auf der Hand liegen.

Wegen der schnellen Ausbreitung der Bb können Komplikationen, z.B. Meningitis, prompt auftreten. Es gibt keinen absolut vorhersagbaren klinischen Ablauf für LB.

  • Die erkältungsähnlichen Symptome können beim ersten Erscheinungsbild fehlen und andauern, nachdem sich die Krankheit eingerichtet hat.
  • Herz- und neurologische Komplikationen kann man irgendwann innerhalb der ersten 3 Monate beobachten, nachdem man sich mikrobiologisch die Krankheit zugezogen hat.
  • Arthritis (d.h. Gelenkentzündung, im Gegensatz zu Gelenkschmerzen) kann den anfänglichen Verlauf ebenso begleiten, öfter aber entwickelt sie sich später zwischen dem 2. und 6. Monat nach der Okulation (Einführung der Bakterien, d. Übers.).
  • Zu Beginn können die Beschwerden nicht nur fein und breitgestreut sein, sondern sich ein Jahr und mehr verzögern.
    • Eine meiner Patientinnen leugnete alle LB-bezogenen Symptome, bis ihr Ehegatte starb, wonach -beginnen mit diesem Tag- eine Fülle von Beschwerden über ihr Leben hereinbrach.
    • Ein anderer hatte einen jährlichen Ausbruch (flare) der LB als Teil einer jährlichen Reaktion, die um den Todestag seiner Mutter herum eintrat.

Darüberhinaus stellen die folgenden Muster die Extreme eines klinischen Kontinuums dar, zwischen denen viele Variationen über das Thema liegen, von der milden bis zur schweren Krankheit.

  • Die Symptom-Frühkonstellation hat vielleicht nur wenige eindimensionale Erscheinungsformen: der Beginn von isolierten Problemen wie Höhenkrankheit (Schwindel) oder wiederkehrende Infektionen der oberen Atemwege. Während mit der Zeit die unbehandelte LB den Körper durchdringt, entwickeln sich die Symptome zum ausgewachsenen klinischen Bild, bis das Vielsystem- Erscheinungsbild entstanden ist.
  • In anderen Patienten kann sich der vielfältige Systemkomplex nach Art einer Lawine entwickeln.
Weil sich kein pathognomes (eindeutig und spezifisch auf die Krankheit hindeutendes, d. Übers.) Bild entwickelt, ergibt sich soviel klinische Verwirrung, daß eine gezielte Diagnose problematisch wird. Daher muß man der Vermutung einen hohen Stellenwert geben. Wenn ein Kliniker seine vorgefaßten Auffassungen über die ersten Anzeichen von LB nicht in Einklang bringen kann mit der Krankheitsgeschichte eines Patienten und seinem körperlichen Befund, dann tut er dem Patienten keinen Gefallen, und er widerruft seine beruflichen Auflagen, wenn er vermessen schließt, daß die Symptome von psychosomatischer Art sind oder der Patient sie vortäuscht!

5. Einflußfaktoren

Vorhergehende oder begleitende Faktoren, die Symptome und körperliche Veränderungen (de novo) hervorrufen oder bestehende Problem verschlimmern können, kann man in aufmerksamer Befragung von LB-Patienten zuverlässig herausfinden.
  • Weibliche Patienten erfahren eine Erschwerung ihrer LB-Symptome
    • vor oder während ihrer Menstruation,
    • in ihrer Schwangerschaft und
    • in Begleitung von oralen empfängnisverhütenden Hormonen.
  • Viele Patienten erfahren eine Verstärkung oder ein Wiederauftreten ihrer Symptome
    • bei körperlichem und emotionalem Streß,
    • wenn ihres Schlafs beraubt,
    • nach Sport,
    • bei einem heißen Bad,
    • nach Alkoholgenuß,
    • beim Fasten (bei Hypoglykämie, (Blutzucker-Unterversorgung, d. Übers.)) oder
    • bei Flüssigkeitsmangel.
  • Gelenkschmerzen, Ermüdung, Enzephalopathie (nicht-endzündliche Hirnveränderung, d. Übers.) oder Kopfschmerz können hervorgerufen werden durch
    • Feuchtigkeit,
    • niedrigen Luftdruck,
    • kaltes oder regnerisches Wetter.
  • Kalte Zugluft kann
    • das Auftreten von Schmerz an der exponierten Haut und dem darunterliegenden Knochen heraufbeschwören,
    • oder sogar eine Lähmung des siebten (VII.) Hirnnervs (Bell's Palsy).
    Patienten mit schlechter Kontrolle der Symptome hassen extreme Umgebungstemperaturen. Typischerweise zeigt sich Unverträglichkeit von Hitze in
    • Nervosität,
    • Kopfschmerz,
    • übermäßigem Schwitzen oder
    • Schlaflosigkeit.
  • Lichtempfindlichkeit kann die Neigung zur Schläfrigkeit verstärken, wie sie beim Fahren eines Fahrzeugs auftritt.
  • Beträchtliches Kopf-Trauma hat schon schwere Symptome hervorgerufen, die sich später bei einer Antibiotika-Therapie gegen LB auflösten.
  • Eine plötzliche Beschleunigung von Enzephalopathie (siehe unten), Kopfschmerz und Benommenheit, die als denkbares postkommotionelles Syndrom aufgefaßt wurden, können durch ein Kopf-Trauma hervorgerufen werden. Diagnostische Ungenauigkeit wird auf ein Minimum reduziert, wenn man nicht einfach alle Probleme im Gefolge eines Kopf-Traumas auf die offensichtlichsten Ursachen zurückführt.
  • Ich rate gewöhnlich meinen Patienten mit LB
    • Zigaretten,
    • Alkohol und
    • Steroide zu meiden, weil sie häufig therapeutisch ungeeignet sind und die Genesung unnötigerweise hinausgeschoben haben (Dattwyler, RJ, Lancet 1:687, 1987 -zum Gebrauch von Steroiden). Patienten haben klinische Verschlechterung beschrieben, wenn Steroide zufällig oder mit Absicht angewandt wurden, wenn keine Nebennieren-Insuffizienz vorlag. Eine andere Gefahr bei symptommilderndem Steroid-Einsatz ist, daß man einige Symptome verdeckt, und das macht das klinische Bild schlechter deutbar. Im privaten Gespräch erzählte ein Arzt, daß einer seiner LB-Patienten an einer tödlichen Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) verstarb, nachdem er Steroide verabreicht bekommen hatte.
  • Eine hilfreiche Warnung ist: Vermeiden Sie elektrische Heizdecken oder Wasserbetten bei angeschaltetem Strom, sonst könnten Sie mit einem oder mehreren LB-Symptomen aufwachen. Allergische oder chemische Überempfindlichkeiten können Symptome verstärken oder die Ursache dafür sein, daß zeitweilig Symptome auftreten.

6. Tagesverlauf

Symptome verändern sich ganz regelmäßig und immer wieder während des Tages.
  • Beim Aufstehen des Morgens werden oft Gelenk-Steifheit und "Nebel im Gehirn" berichtet (aber nicht nur am Morgen).
  • Erschöpfung wird durch Schlaf nicht beseitigt oder entwickelt sich zwischen Mittag und 4 Uhr nachmittags, wonach ein kurzer Erhohlungsschlaf Erfrischung bringt.
  • "Der-Verrückte-Syndrom" (explosive Nervosität) tritt dann vielleicht gegen Ende einer anstrengenden Arbeitszeit auf oder auch spät am Abend. Ein "ärgerliches Gesicht" kann eine drohende Detonation ankündigen.

7. Häufigste Differentialdiagnosen

Vor einer angemessenen Diagnose, so berichten Patienten gewöhnlich, seien ihnen meist die folgenden Diagnosen gestellt worden:
  1. Chronisches Erschöpfungssyndrom ("chronic fatigue syndrome"),
  2. Multiple Sklerose,
  3. Fibromyalgie (Fibro- = Bindegewebe-, Myalgie = Muskelschmerz, d. Übers.),
  4. Lupus,
  5. Candidiasis (siehe auch Behandlungshinweise),
  6. chronische Mononukleose,
  7. Hypoglykämie (Blutzuckermangel, d. Übers.) und
  8. streßbezogene Erkrankung.
Wenn von 1. - 8. etwas in der Liste der Differentialdiagnosen erscheint, sollte LB in Betracht gezogen werden.

8. Allgemeines Erscheinungsbild

Bei oberflächlicher Untersuchung erscheinen viele Patienten mit LB täuschend gesund, fühlen sich aber in Wirklichkeit schrecklich. Lassen Sie sich also nicht täuschen!
  • Die Erscheinung eines Lyme-Patienten reicht von phlegmatisch, kränklich, mit abwesendem Blick, bis zu ruheloser Angst und Hyperkinetik (siehe auch hyper).
  • Ihre mündlichen und schriftlichen Äußerungen variieren in ähnlicher Weise zwischen unverständlich bis zu weitschweifig und umständlich.
  • Geschwinds Syndrom schließt einige Typen der LB-Enzephalopathie genau ein (Textbook of Internal Medicine, Kelly (ed.), 1989, Seite 2509).
  • Von einigen Patienten wurde berichtet, daß Stottern mit dem Beginn der LB einsetzte und oft wieder zum Verschwinden gebracht werden kann.

9. Ermüdung

Patienten berichten sehr häufig von Ermüdung, die von mild zu bis zum Zusammenbruch schwächend reicht.
  • Gewöhnlich findet sich ein Verlust an Interesse und Initiative, so daß Herumhängen zur Gewohnheit wird. Das kommt nicht von Faulheit, sondern von Desinteresse. Versuche, Hobbies oder beruflichen Beschäftigungen nachzugehen, werden häufig unterbunden durch die Erschöpfung infolge von Lyme oder durch Enzephalopathie.
  • Es gibt eine Tendenz, kurze Schlafpausen einzulegen, keinen erfrischenden Schlaf, und zu Hyper - Somnolenz (übermäßige Schläfrigkeit) bei unpassenden Momenten, z.B. im Klassenzimmer, Hörsaal oder während einer Lieblingsaktivität.
  • Ganze Tage zu verschlafen, ist nicht unbekannt.
  • Paradoxerweise empfinden Patienten oft zur gewöhnlichen Schlafenszeit Schlaflosigkeit oder häufiges Aufwachen.
  • Schlaf gewährt nicht immer die Ruhepause, weil wilde oder lebhafte Albträume auftreten können. Schrecken in der Nacht während der Kindheit können auf LB beruhen oder auf einfacheren, prosaischeren Ursachen.

10. Fieber

Zwischenzeitliche Fieberanfälle reichen von geringfügig bis zu 40.3 C. Der typische Zusammenhang, in dem Fieber auftritt, ist die erste Woche der Antibiotika-Therapie, besonders wenn mehrere wirksame Substanzen und/oder intravenöse Mittel angewandt werden. Fieber ist das typische Zeichen der klassischen Jarisch-Herxheimer-Reaktion (J-H), aber ihr Bild wechselt. Verglichen mit den meisten Anlässen von hohem Fieber kann der Patient am besten aussehen und -mit einer relativ nicht-toxischen Erscheinung- sich auch so während oder kurz nach dem Fieber fühlen. Dies kann manchmal bei der Diagnose helfen. Die Differentialdiagnose bei Fieberanfall von Kindern sollte LB einschließen. Viele LB-Patienten haben normalerweise Untertemperaturen, sodaß -analog zu Diabetes- das Auftreten einer Temperatur von 37 C kompatibel mit einem schwachen Fieber ist.

11. Hautveränderungen

  • Sehr oft zeigen Ohrmuschel und Ohrläppchen Schattierungen von Rot.
  • Weniger häufig kann eine ähnliche Rötung auf Händen oder Gegenden der oberen Wangen beobachtet werden.
  • Ein Ausschlag auf den Wangen ist kein Erkennungsmerkmal für Lupus, wenn SLE (systemischer Lupus erythematodes, d. Übers.) tatsächlich verschieden von LB ist (Abstract 55A, V. Lyme Disease Symposium).
  • Man vermutet, daß "Fifth Disease" (slapped face, wörtlich: geohrfeigtes Gesicht, d. Übers.) auf LB beruht.
  • Lymphozytom der Ohrläppchen wurde öfter in Europa angetroffen.
  • Kalte Hände und Füße sogar in warmer Umgebung tritt auf, und einige Patienten haben Raynaud's Phänomen. Möglicherweise tragen
    • übermäßige Konzentrationen von gefäßverengenden Hormonen,
    • Magnesium- und Natrium-Mangel,
    • limbische oder Hypothalamus-Fehlfunktion wegen einer Infektion des Zentralnervensystems,
    • örtliche Entzündung des kapillaren Sphinkter oder
    • Hypothyroidismus (Unterfunktion der Schilddrüse, d. Übers.)
    zu dieser Gefäßverengung bei.
  • Ekzema und Psoriasis können in Verbindung mit LB auftreten. Eine LB-Patientin hatte generalisierte Psoriasis, die 40 % ihres Körpers bedeckte. Antibiotika gegen LB befreiten sie vollständig von ihren Symptomen.
    (generalisiert = auf den ganzen Körper ausgebreitet, d. Übers.)

Veränderungen der Empfindungen der Haut sind sehr verbreitet.

  • Meist findet sich Taubheit und Kitzeln (Parästhesien, Fehlempfindungen, d. Übers.)
    • im Zentrum des Gesichts,
    • in den Fingerspitzen,
    • der Kopfhaut und
    • den Extremitäten.
  • Muskel-Zucken tritt gewöhnlich in den Augenlidern und Extremitäten auf.
  • Zittern (Tremor), myoklonisches Zucken der gesamten Extremitäten oder Schütteln des Rumpfes können Pseudo-Anfälle nahelegen, sind aber einer Neuritis zuzuordnen.
  • Patienten berichten auch von elektrischen Schlägen, Fehlempfindungen (abnorme Empfindungsantworten auf Reize), schmerzender oder juckender Haut und Erröten.
  • Außerordentliches Schwitzen bei Anstrengungen oder auch sonst kann berichtet werden, auch wenn kein Hyperthyroidismus vorliegt (Bedeutung von hyper). Einer meiner Patienten hatte 27 Jahre lang Anhydrosis (Unfähigkeit zu Schwitzen), bis Antibiotika verabreicht wurden.

12. Lyme-Enzephalopathie

Benommenheit, Gleichgewichtsstörung und Ungeschicklichkeit können frustrierend werden, wenn Patienten Gegenstände fallen lassen oder sie umstoßen, oft stolpern, gegen die Wand laufen, wenn sie um die Ecke biegen, und eine nachlässige und langsamere Handschrift entwickeln.

Viele benutzen den Satz "Eine Schwingung in meinem Kopf". Andere merken an, daß sie sich "vergiftet" fühlen. Zusammen mit "Nebel im Kopf" bezeugen diese Redewendungen LB, bis auf einen Gegenbeweis.

Letzendlich beschwert sich die Mehrzahl, nicht alle, über eines oder mehrere von Folgenden:

  • "Nebel im Kopf",
  • Vergeßlichkeit,
  • Angst,
  • Stimmungsschwankungen,
  • Verlust an Unternehmungsgeist,
  • Depressionen,
  • Beeinträchtigung der Konzentration,
  • Unaufmerksamkeit,
  • leichte Verwirrbarkeit oder Disorientierung bei geistigen Aufgaben,
Beim Ordnen oder Einprägen von sogar geringen Informationsmengen weichen die Patienten auf schriftliche Notizen aus. Diese Probleme, und die weiter unten beschriebenen, stellen die zentralen Erscheinungsformen der Lyme-Enzephalopathie dar.

12.1. Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses

Diese Beeinträchtigung führt bei Patienten dazu, daß sie vergessen, was sie gerade sagen wollten, warum sie in ein Zimmer kamen, wo sie Gegenstände hingelegt haben, den Inhalt des vorherigen Satzes oder eines Stückes, Kalenderdaten, ihren Zeitplan, Namen und Gesichter von Bekannten, sogar Familienmitgliedern.
  • Kognitive Beeinträchtigung brachte einen Patienten dazu, im Zimmer umherzulaufen auf der Suche nach dem Zimmer, wo er seinen Bleistift gelassen hatte, den er aber tatsächlich zwischen die Zähne geklemmt hatte.
  • Eine Mutter ließ auf dem Weg nach Hause ihren Kinderwagen auf dem Parkplatz meiner Praxis stehen.
  • Andere vergaßen die Schreibung von sogar einfachen Worten, hatten das Lesen verlernt oder mußten immer wieder von Neuem lesen, wobei sie verschieden viel aufnahmen.
  • Ein Patient fuhr nach Philadelphia anstatt nach Princeton, weil die gleichen Anfangsbuchstaben ihn verwirrt hatten.
  • Nach dem Einkaufen legte eine andere Patientin ihre Schuhe in den Kühlschrank und die Nahrungsmittel in den Schuhschrank.
  • Lyme-Patienten können sich auf dem Weg nach Hause oder zur Arbeit verirren, weil sie an sonst bekannten Ausfahrten vorbeifahren oder weil sie einfach vergessen, wo in Raum und Zeit sie sind und wie sie dahin kamen. Das ist als topographische Fehlorientierung oder Umgebungsagnosis bekannt.
  • Elementare mathematische Problem können unüberwindbar werden, und Rechenfehler sind üblich.
  • Die Reihenfolge im Abarbeiten von Aufgaben ist bei LB gestört.
  • Lyme-Patienten neigen dazu, 2 - 3 mal schnell zu sagen "Warte mal", wenn ihre einzige Aufgabe das Aufschreiben einer Telefonnummer ist. Das spricht auch für Perseveration (das krankhafte Hängenbleiben an einer einmal eingeschlagenen Vorstellungsrichtung).

12.2. Unaufmerksamkeit

Unaufmerksamkeit charakterisiert häufig die Art, wie Patienten zur Welt stehen.
  • Einige Patienten nehmen passiv teil, unfähig mit den üblichen Formen des sozialen und geistigen Austauschs zu beginnen oder ihn weiterzuführen.
  • Mündliche oder schriftliche Ausdrucksformen sind typisch von Lyme eingefärbt. Der Inhalt zeigt Fehlorganisation, eine Unfähigkeit dem Gedankengang zu folgen, und es gibt eine Neigung, sich mehr und mehr in Einzelheiten zu verlieren, was weitere Verwirrung im Wald der Details hervorbringt.
  • Allgegenwärtig in den Millionen von kognitiven Fehlern sind häufige Irrtümer bei der Wortwahl oder Aussprache und die fortwährenden Wort- und Zahlendreher.

Konzentration. auf eine Aufgabe kann schwierig werden, weil die Aufmerksamkeitsspanne verkürzt ist.

  • Während mehr und mehr Informationen verarbeitet werden müssen, verirrt sich der Lyme-Patient entsprechend mehr, wird disorientiert, frustriert, ermüdet und muß schließlich die geistige Aktivität abbrechen.
  • Das Bestreben, Projekte oder sozialen Austausch zu beginnen, ist häufig geschwächt, wenn es nicht gänzlich fehlt. So ist ein Leistungsabfall im akademischen und beruflichen Bereich eine häufige Auswirkung von LB bei Kindern und Erwachsenen.

Miklossy (NeuroReport 4:841-848, 1993) berichtete die Entdeckung von Bb Spirochäten in der Dunkelfeld-Mikroskopie von post-mortem Gehirn-Biopsien an ALZHEIMER - PATIENTEN! Kulturen von zerebrospinalen Liquor (CSF) und Blut entwickelten Bb in diesen Fällen.

Aus meiner Sicht sollte ein Kind, das auf das Aprosexia - Hyperaktivitätssyndrom (ADH)(Aufmerksamkeitdefizit und Hyperaktivität, d. Übers.) oder neurologische Wahrnehmungsbeeinträchtigung diagnostiziert wurde, nach LB ausgewertet werden.

  • Bei einem 16-jährigen Jungen, dessen Tourette-Syndrom im Alter von 5 Jahren begonnen hatte, hatte man OspA-Antigen (Outer Surface Protein A, 31KD-Banden, d. Übers.) im CSF gefunden. Behandlung auf LB beseitigte die Tourette-Manifestationen.
  • Ein anderer meiner Patienten mit ADH war seropositiv, d.h. er hatte IgM-Lyme-Antikörper im Serum. Die Anzeichen von ADH wurden mit Antibiotika zum Verschwinden gebracht.
    Die Unterscheidung zwischen Verursachung und reiner Verschlimmerung von ADH oder Tourette durch Lyme ist müßig, und daher schlage ich eine Untersuchung nach Lyme bei diesen Patienten vor.
    In Parenthese: Der Junge mit Tourette hatte auch eine kognitive Störung, gewöhnliche Nephritis mit früher Niereninsuffizienz und "Obsessive Compulsive Disorder" (OCD). Diese klinischen Eigenschaften gingen mit Antibiotika zurück!
  • Die dominante Enzephalopathie eines Grundstücksmaklers löste sich mit einer LB-Behandlung auf, wonach sein Geschäftsumsatz auf Rekordhöhe sprang und er zahlreiche Geschäftsauszeichnungen bekam. Die Vorteile (benefits, das Wort hat auch einen finanziellen Klang, der Übers.) des Stopps seiner LB sind für ihn ganz offensichtlich.

12.3. Persönlichkeitveränderungen

Persönlichkeitveränderungen findet man fast überall bei Lyme-Enzephalopathie, mit typischer, offen gezeigter emotionaler Ungezwungenheit.

  • Für gewöhnlich gibt es eine allem unterliegende wechselnde Irritierbarkeit.
    • Schon auf ein mildes Maß an Streß reagieren Patienten mit LB-Enzephalopathie überproportional mit Frustration, Ärger oder Weinkrämpfen.
    • Emotionen können Geschwindigkeiten (escape velocities) erreichen, die zum Abheben ausreichen (escape velocity ist die Geschwindigkeit, die ein Gegenstand haben muß, um aus dem Schwerefeld der Erde zu entkommen, d. Übers.), und Wutanfälle können vulkanartigen Charakter annehmen, mit einer Stärke, die sich jeder Willenskontrolle entzieht.
    • Eine unangenehme Erscheinung ist wegen ihrer Stimmungsschwankungen unvermeidlich und wegen ihrer superkritischen Dispositionen und Ungeduld mit sich und anderen.
    • Lyme-Patienten können leicht durch jemanden verärgert werden, der einfach in denselben Raum kommt, ohne Herstellung von Augenkontakt oder Austausch von Worten.
    • Wenn unerwartete Umstände auftreten, zeigt sich in nicht wenigen Fällen, wie niedrig die Schwelle zur Erbitterung ist. So antworten Eltern auf die Bedürfnisse eines Kindes mit Ärger und Frustration. Täter mit dem "Shaken Baby Syndrom" berichten einen Gefühlsausbruch, der von dem eines Lyme-Patienten mit außer Kontrolle geratener Enzephalopathie ununterscheidbar ist.
  • Viele äußern morbide Furcht vor verborgener Krankheit, bevorstehendem Tod und können allgemein pessimistisch oder rührselig sein.
    • Einige entwickeln verwickelte paranoide Theorien über Verschwörungen gegen sie.
    • Lyme-Patienten neigen oft zu starker Sentimentalität.
    • Übersteigertes, verstiegenes Denken findet seinen Ausdruck in Eigensinn, Selbstgerechtigkeit, Streitsucht, Sprechen in absoluten Wahrheiten (categoricals) und mit unangemessenem sowie untypischem vulgären Ausdruck.
    • Internalisierte Ängstlichkeit führt zum Gefühl der Eile, auch ohne einen Termin, oder der Unfähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn es keinen Grund zur Unruhe gibt. Panik-Anfälle sind das Extrem dieses Angstzustands und sollten Lyme vermuten lassen. Ich vermute, daß zusätzlich zur Infektion des limbischen Systems im Zentralnervensystem diese Erscheinungen auch die Folge von
      • erhöhten Adrenalin-Niveaus,
      • Mg++-Mangel oder
      • Hypoglykämie (Blutzuckermangel) sein könnten (Wortbedeutung von hypo).
    • Zuweilen gibt ein Lyme-Patient Agoraphobie (Furcht vor Menschenansammlungen, d. Übers.) und Klaustophobie (Furcht vor geschlossenen Räumen, d. Übers.) zu.

  • Niedergeschlagenheit wechselt mit Besorgnis. Das ist üblich in LB. Psychiater sollten einen deprimierten Patienten routinemäßig auf LB evaluieren, bevor oder wenn er mit Psychopharmaka beginnt. Ein Patient mit LB mag einen rationalen Grund (nicht LB, der Übers.) für seine Niedergeschlagenheit angeben. Manchmal steht der aber im Widerspruch zu den Umständen: (1) seine emotionale Antwort paßt nicht zu seiner üblichen Form der Auseinandersetzung mit Problemen, und (2) schwindet oder bessert sich die Depression, während man die LB-Infektion unter Kontrolle bringt. Es ist typisch, daß Lyme - Enzephalopathie ein ansonsten reifes und funktionierendes Gefühlsrepertoire korrumpiert.

Mit dem Verlust der bewußt und unterbewußt korrigierenden Kontrolle der Gefühle und Ausdrucksweisen in Wort oder Verhalten macht ein Patient mit Enzephalopathie den Gesamteindruck, sprunghaft und unangemessen zu sein, wenn nicht gar falsch zu handeln.

  • Schicksalsglaube ist in Übereinstimmung mit dem Stil bei LB.
  • Weniger häufig wurden angetroffen und berichtet:
    • Wahn,
    • besessene Zwanghaftigkeit,
    • schizo-affektive Störungen und
    • Selbst/Mord-Gedankenspiele.
  • Jugendliche Hormon-Ausbrüche und Gefühlsdurcheinander durch LB tarnen und steigern einander gegenseitig. So neigen Kinder dazu, unartig, schwer zu erfreuen und anfällig für untypische Gefühlsantworten zu sein. Ein Kind, das sich in der Schule nicht gut aufführt, sollte nicht als "unerzogen" abgetan werden.
    Lyme kann Auslöser für unangemessenes Verhalten und Widerrede sein.
    • Viele Patienten erkennen im Rückblick, daß sie außer Kontrolle waren, aber dennoch nicht in der Lage, ihr Verhalten abzustellen. Falsche Ursachenzuweisung ist bei diesen Verhaltensstörungen die Regel.
    • Unnormale Persönlichkeitszüge können sich allmählich entwickeln oder aber an Ereignisse gebunden, was die medizinische Krankheitsursache weiter verdunkelt. Wenn das Verhalten akut vom normalen abweicht, kann das uns dazu dienen, die Anomalität (deutlich) zu erkennen und zu empfehlen, sich mit der Sache zu befassen.
So erinnern Lyme-Patienten mit Bitterkeit ihr fehlgesteuertes Verhalten und geistige Unfähigkeit, wenn sie am Ende erkennen, wie ihre Beziehungen zu anderen, ihr Verhalten in Schule / Universität und Beruf negativ beeinflußt waren.

12.4. Gemeinsamkeiten mit dem Chronischen Ermüdungssyndrom (CFS)

Im klinischen Bild gibt es beträchtlichen Überlapp zwischen LB und Chronischem Ermüdungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrom, CFS).
  • Dr. Rosenbaum und Dr. Susser haben in ihrem 1992 erschienen meisterhaften Übersichtsartikel "Solving the Puzzle of CFS" SPECT - (Single Photon Emission Computer Tomography) - Rasterergebnisse zur Gehirndurchblutung bei CFS-Patienten beschrieben. Unterversorgung mit Blut der linken temporalen, rechten parietalen und linken frontalen Lappen wurden konsistent festgestellt. Diese Gegenden kontrollieren genau die Funktionsbereiche, die sowohl bei LB als auch bei CFS abnormal sind, nämlich Sprachfähigkeit, Gedächtnis, Gefühle und Verarbeitung von Information höherer Ordnung.
  • Dr. Jay Goldstein hat den Ausdruck "limbische Enzephalopathie" vorgeschlagen, um damit die bei CFS beobachteten Störungen des Gedächtnisses, des Appetits zu beschreiben, der Regelung von Temperatur, Appetit und Libido und hormonale Homeostasis (Selbstregelung, d. Übers.). Er legt das Konzept eines "Agens" dar, das CFS hervorruft und eine Fehlsteuerung des Immunsystems und der limbischen Komponeten des Zentralnervensystems verursacht.
    Ich habe das Gefühl, das "Agens" ist Bb. Mich ermuntert zu dieser Sicht die anekdotische Erfahrung,

Limbische Enzephalopathie umfaßt in eleganter Weise die vorher erwähnten Beobachtungen bei Lyme Enzepalopathie. Sie ist ein möglicher Mechanismus, der meinen Hinweis erklären kann, daß LB verantwortlich sein kann für anorexia nervosa / bulimia.

  • Anorexie ist in früheren Studien zur LB dokumentiert worden.
  • Unzinatus-Anfälle (Anfälle mit Auslösung im vorderen Temporallappenbereich, sind gekennzeichnet im allgemeinen (nicht unbedingt) durch elementare oder komplexe (illusionäre oder halluzinatorische) Geruchssymptome, die isoliert oder mit Bewußtseinseinschränkungen auftreten, d. Übers.), charakterisiert durch Hypersexualität (Bedeutung von hyper>), Anfälle von Raserei (rage stages) und Vulgarität (vulgarity), stehen im Einklang mit LB.
Tatsächlich wären fehlende Hemmungen, das Lösen der gewöhnlichen Bremsen für das Verhalten, Teil von limbischer Fehlfunktion.

12.5. Reversible und dauerhafte Gehirnstörungen

LB könnte reversible Störungen in der Gehirn-Physiologie verursachen, und zwar durch
  • zytokine Vermittler,
  • direkte Infektion, z.B. Enzephalitis und Perivaskulitis,
  • Demyelinisierung,
  • metabolische Aberrationen innerhalb des Zentralnervensystems, wie lokale Blut-Unterversorgung, veränderte Fließcharakteristiken des Bluts,
  • intrazelluläre Azidose (Störung des Säure - Base - Gleichgewichts zugunsten der sauren Valenzen, d. Übers.) und
  • die Abreicherung an ATP.
Dauerhafte Veränderungen .können einschließen.

13. Neurologische Komplikationen

In früheren Berichten wurde gesagt, daß neurologische Kompliktionen in 20% der LB-Fälle aufträten. Nach meiner Erfahrung - und wie von Dr. Logigian veröffentlicht - haben 90 % der Patienten eines oder mehrere der folgenden Leiden:
  • Enzephalopathie,
  • kraniale (Hirn-) Neuritis oder
  • psychiatrische Veränderungen.
Im Anfangsverlauf der LB könnten diese Probleme fehlen oder stumm sein, aber schließlich hereinbrechen und vorwiegende Aspekte der LB werden.

13.1. Gemeinsamkeit mit Multipler Sklerose (MS)

Viele Patienten bekommen gesagt, sie hätten Multiple Skelrose
  • wegen der Befunde in den Hirn-MRI's (Magnetic Resonance Imaging, Kernresonanz-Abbildung, d. Übers.) oder
  • weil der zerebrospinale Liquor
    • oligoklonale Banden (OCB) oder
    • Myelin basiertes Protein (MBP)
    zeigt.
Dem steht entgegen:
  1. Die medizinische Literatur stellt mit ziemlichem Nachdruck fest, daß die MRI nicht zuverlässig unterscheidet zwischen MS und LB, weil zuviel Überlapp besteht zwischen dem vermuteten unterschiedlichen Aussehen und Ort von Plaques bei MS und LB. Bei beiden Störungen wurden Plaques im Gehirn und Rückenmark entdeckt.
  2. OCB's und MBP sind nicht-spezifische Marker für Demyelinisierung (Verlust der die Nerven umhüllenden Schicht).
  3. In der oben erwähnten Studie von Miklossy nahmen senile Plaques lebhaft die Einfärbung für Bb-Spirochäten an.
  4. Vincent Marshall stellte das Ergebnis seiner Literaturdurchsicht in Medical Hypothesis (Vol. 25: 89-92, 1988) vor und tritt für die Idee ein, daß LD MS erzeugt! Seine Übersicht offenbarte, daß vor 1951 mehrfach Studien Spirochäten im Liquor von MS-Patienten vorführen konnten (durch Impfung von Tieren und auf Silber-Färbung von Gewebe des Zentralnervensystems).
  5. Dr. Coyle hat die Anwesenheit von Antikörpern gegen Bb bei MS-Patienten dokumentiert (Neurology Vol. 39:760-763, 1989).
  6. Die MS zugeordnete Enzephalopathie erinnert sehr an LB. MS und LB gehen mit Sinusitis einher (Lancet, 1986). Dr. Liegner hat einen Fall von LB berichtet, der alle Kriterien von MS erfüllte.
  7. Die Epidemiologie von MS und ihre geographische Verteilung verläuft parallel der von LB.
  8. Die Symptome von beiden können verschlimmert werden, wenn der Patient ein heißes Bad nimmt. Als anekdotische Anmerkung: Patienten mit LB, bei denen vorher MS identifiziert worden war, antworteten auf Antibiose.

13.2. Gemeinsamkeiten mit weiteren neuronalen Erkrankungen

Es ist dokumentiert, daß LB
  • Schlaganfälle,
  • Lähmung,
  • vielfache Formen von anderen Anfällen,
  • vorübergehende oder dauerhafte Erblindung,
  • Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen,
  • motorische- und/oder sensorische Neuropathien,
  • Mononeuritis multiplex,
  • Schmerzen entsprechend der Radikuloneuritis,
  • Meningitis und Enzephalitis
hervorruft. LB ist in Verbindung zu Lou Gehrig's Krankleit und zum Guillain-Barre-Syndrom gebracht worden.

Neuerliche Berichte legen nahe, daß das Spektrum der neurologischen LB in Europa dem in den USA ähnelt (Jacqueline, MS; Surv. Opthalmol. 35:191-204, 1990), was der Behauptung widerspricht, daß europäische LB-Forschung irrelevant ist für LB in den USA.

Die häufiger bemerkten neurologischen Defekte betreffen einen oder mehrere Gehirnnerven (I. bis XII.),

  • sehr häufig bei meinen Patienten
    • die sensorischen Anteile des nervus trigeminus (V.) und
    • die motorischen Komponenten des nervus facialis (VII.).
  • In absteigender Reihenfolge werden Defizite bei der Schmerzempfindung in V2., V3., und V1. gefunden.
  • V2. Neuritis macht sich in Form von Parästhesien (Fehlempfindungen unter der Haut, "Kribbeln", d. Übers.) oder Dumpfheit im zentralen Gesicht und den Wangen bemerkbar.
  • Gaumen- und Zahnschmerzen können eine weitere Manifestation der trigeminus neuritis sein. Man schließe Zahn-Abszeß oder Sinusitis aus, die mit ähnlichen Zahnschmerzen auftreten.

Die häufigste Hirnneuritis, die ich sehe, ist die des siebten (VII.) Nervs. Abnormalitäten dieses Nervs können verschiedene Formen annehmen.

  • Gewöhnlich herrscht Symmetrie der zentralen Gesichtsfalten, wenn die Lippen in Ruhestellung oder in Bewegung sind, oder eine offensichtliche Abweichung des Munds oder Lächelns nach einer Seite. Kollegen haben diese Asymmetrien abgetan als normal, mit den Worten "Na ja, jeder hat sie." Nach meinem Gefühl haben sie Bedeutung, wenn Antibiotika diese sogenannten angeborenen oder normalen Befunde zum Verschwinden bringen.

  • Wenn Bell's Palsy vorliegt, hat man die eben bei der VII.- Neuritis beschriebenen Gesichtsdefekte und dazu ein weiter geöffnetes Auge auf derselben Seite wie eine hochgezogene Augenbraue, oft in Verbindung mit Beschwerden über Tränenbildung und Speichelverlust (Sabbern, meist in der Nacht) auf der beeinflußten Seite. 10.6 % von 951 Fällen hatten Bell's Palsy und 25 % von ihnen hatten beidseitige Bell's Palsy (Clark, JR et al., Laryngoscope 1985: 95: 1341-45). Beidseitige Bell's Palsy, dargestellt als pathognomisch (krankheitserkennend) für LB, kann tatsächlich mit
    • intra-pontine Läsionen (intrapontine lesions),
    • Diabetes mellitus,
    • Syphilis,
    • Sarkoid (einem Sarkom ähnliche Neoplasmie, d. Übers.),
    • Leukämie,
    • Guillain-Barre,
    • Viren oder
    • Diphterie
    assoziiert werden.

    Angesichts des Auftretens von Bell's Palsy bei LB ist es unangemessen, es als virusinduziert zu behandeln, ohne vorher gegen LB vorgegangen zu sein.

Nebenbei bemerkt:
  • Hyperacusis (Geräusch-Empfindlichkeit) kann eine Form der VII.-Neuritis sein.
  • Geruchsneuritis (I.) wird begleitet von dysosmia (ungewöhnliche Gerüche).
  • Neuritis der II., IV. und VI. Hirnnerven zeigt sich als Doppelsehen.
  • Wenn der VIII. Nerv betroffen ist, kann das Resultat Vertigo (Höhenangst) und Hörbeeinträchtigung sein.
  • Ich habe wenigstens zwei Fälle von Meniere's Krankheit gehabt, die auf Behandlung gegen LB ansprachen.
  • Dysphagia (Schluckbeschwerden) können zusammen mit X.-Neuritis auftreten, aber nicht in jedem Fall. Öfter empfindet man nach meiner Erfahrung eine schiefe Uvula (Zäpfchen) oder einen weichen Gaumen.
  • Dysphonia (veränderte Stimme) kann mit X.- Neuritis vorkommen, wenn die Bahnen beeinträchtigt sind, die die Larynx (Kehlkopf, d. Übers.) versorgen. Wiederkehrende Larynx-Nervenlähmung wurde bei LB beobachtet (Schroeter, V. et al. Lancet 2:1245, 1988).
  • IX.- Neuritis (Glossopharyngeus) kann einseitige Halsschmerzen bewirken, wie drei meiner Patienten berichteten.
  • XI.- Neuritis (spinal accessory) zeigt sich als Schwäche des musculus trapezius oder musculus sternocleidomastoidus, was zu einer herabhängenden Schulter bzw. Schwäche beim Kopfdrehen gegen einen Widerstand führt. Man verwechsele dies nicht mit einseitiger Dystonie, wo der betroffene Schultergürtel erhöht ist bei erhaltener Bewegungsstärke auf beiden Seiten.
  • Hypoglossale, XII.- Neuritis kann einhergehen mit einer Abweichung der Zunge (heaped up tongue) zur nicht beeinträchtigten Seite, beim Herausstrecken nach der abnormen Seite.

LB-bezogene Kopfschmerzen können ein weites Spektrum von Mustern haben und den Beginn oder ein Ausbruch (flare) der LB ankünden. Die Kopfschmerzen haben die Charakteristika von

  • Migränen,
  • Muskel-Verspannung oder
  • zervikalen/radikularen Kopfschmerzen.
  • Pseudotumor zerebri (erhöhter Liquordruck mit normaler Liquoranalyse in Abwesenheit von intrakranialen Massen) kann den Verlauf der LB erschweren und Kopfschmerzen verursachen. Papilledema (Schwellung) der Optikuspapille trifft man gewöhnlich an (aber nicht immer), wenn der Liquordruck erhöht ist. Liquoruntersuchung wird einen hohen Öffnungsdruck feststellen und gleichzeitig heilend wirken. Abhängig von dem Charakter der Kopfschmerzen, müssen Sinusitis und ein Gehirntumor ausgeschlossen werden. Horton-Neuralgien haben Eigenschaften, die mit einigen LB-Kopfschmerzen vergleichbar sind, einschließlich ihrer Reaktion auf 100% Sauerstoff.
einschließlich ihrer Reaktion auf 100% Sauerstoff (Hyperbaric-Oxygen, d. Übers.)

(Anmerkung des Übersetzers: Darstellung der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne

.

14. Immunsystem

Immunsuppression infolge LB wurde berichtet. Daher überrascht es nicht, daß wiederkehrende oder resistente Infektionen des HNO-Trakts bemerkt wurden. LB kann folgende Krankheiten hervorrufen oder bestehende verschlimmern:
  • Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen, d. Übers.):
    Die üblichen Medikamente gegen Sinusitis und Allergien haben eine vorhersagbar abgeschwächte Wirkung, wenn LB wirksam ist.
  • Asthma,
  • Bronchitis,
  • Otitis (Entzündung des Ohrs oder eines seiner Teile, d. Übers.),
  • Mastoiditis (Entzündung der Schleimhaut der pneumatischen Zellen des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins, d. Übers.). Sie kann auch mit einer Bell's Palsy einhergehen.
  • Allergien.
    LB kann vergesellschaftet sein mit dem Auftreten oder Neubeginn von Allergien oder kann eine Atopie-Prädisposition vergrößern

Ein Zufallspatient berichtete das Auftreten eines anderen Begleiters von LB, der Reisekrankheit. Sie konnte bei dessen LB-Behandlung beseitigt werden.

15. Augen

Augenprobleme bei LB sind eine gewöhnliche Erscheinung und können bestehen aus (Jacqueline, MS; Surv. Opthalmol. 35:191-204, 1990):
  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung, d. Übers.),
  • okulare Myalgien (Augenmuskelschmerzen, d. Übers.),
  • Keratitis (Hornhautentzündung, d. Übers.),
  • Episkleritis (Entzündung der Episklera, d.h. des lockeren Bindegewebes zwischen Leder- und Bindehaut, d. Übers.),
  • Optikusneuritis (Entzündung des Sehnervs, d. Übers.)
    Es wurde beobachtet, daß sie zum wiederkehrenden Symptom oder unbehandelbar wird, wenn gegen sie mit Steroiden vorgegangen wurde. In Anbetracht der früheren Bemerkungen über die verheerenden Wirkungen von Steroiden auf LB könnte reziditive (wiederkehrende, d. Übers.) Optikusneuritis von verborgener LB herrühren.
  • Pars Planitis (Entzündung der Pars Plana mit Funktionsbehinderung der Zonula, dem Aufhängeapparat der Augenlinse, d. Übers.)
  • Uveitis (Entzündung der Chorioidea, Ziliarkörper, Iris, d. Übers.),
  • Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut, d. Übers.),
  • vorübergehende oder dauerhafte Erblindung,
  • Arteritis temporalis (Entzündung der Schläfenarterienwände, d. Übers.),
  • Vitritis (Entzündung des Glaskörpers, d. Übers) und
  • Ödem (Wassersucht, d. Übers.) in der Periorbita (Augenhöhlenperiost, d. Übers.).

Auch beobachtet wurden

  • Horner's Syndrom,
  • Myasthenia (krankhafte Muskelschwäche, d. Übers.) okulare (das Auge betreffend, d. Übers.) gravis und
  • Argyll-Robertson-Phänomen (Fehlen der reflektorischen Pupillenverengung bei Lichteinfall, d. Übers.).

16. Leber

Lyme-Häpatitis tritt bei etwa 15 - 20% der Patienten auf. Die Leber-Empfindlichkeit (liver tenderness) ist nicht konstant, und erhöhte Leberenzyme reagieren auf Antibiotika. Manchmal taucht die Häpatitis zeitweilig in den Frühstadien der Behandlung auf und verschwindet danach.

17. Zysten

In vielen meiner Patienten finden sich Zysten an verschiedenen Stellen:
  • Schilddrüse,
  • Brust,
  • Leber,
  • Knochen,
  • Eierstock,
  • Haut,
  • Epiphyse (Zirbeldrüse) und
  • Niere.

Einige Formen der Zystennieren- und Zystenbrust-Krankheit können LB-Erscheinungen sein.

18. Blase, Nieren

  • LB kann zu einer Zyste im Interstitium (Zwischenraum zwischen Körperorganen oder -geweben, d. Übers.) führen, die Blasenschmerzen erzeugt, welche durch Urinieren erleichtert werden.
  • Eine neurogene Blase kann sich entweder mit
    • (Harn-)Verzögerung,
    • Häufigkeit (des Urinierens, d. Übers.),
    • Verlust der Blasenbewußtheit,
    • Urinrückhaltung,
    • Inkontinenz oder
    • den Symptomen einer Harnwegeinfektion
    entwickeln.
  • Ich vermute, daß chroniche Pyelonephritis (bakterielle Entzündung des Nierenbeckens mit Parenchymbeteiligung, insbesondere Interstitium und Tubuli, Parenchym = das spezifische Gewebe eines Organs im Gegensatz zum Interstitium, Tubuli = Kanälchen -der Niere-, d. Übers.) eigentlich LB ist.
  • Kinderärzte möchten daran denken (may want to consider), daß nächtliche Enuresis (Bettnässen) als Folge von LB auftritt.

19. Magen, Darm

  • Verstopfung kann in so schwerer Form auftreten, daß Fäkes (Stuhl) eingeklemmt wird.
  • Viele LB-Patienten erfahren einen spastischen (irritierten) Dickdarm, und diese Diagnose sollte eine Suche nach LB auslösen.
  • Ich habe LB behandelt, die mit colitis ulcerosa (geschwürartiger Dickdarm-Schleimhautentzündung, d. Übers.) einherging und stark zurückging, als mit Antibiotika angefangen wurde.
  • Fäkale Inkontinenz wegen in Mitleidenschaft gezogenem rektalen Sphinktertonus (Afterschließmuskel-Tonus, d. Übers.) kann auftreten.
  • Dr. Martin Fried hat Bb Spirochäten in der Magen- und Zwölffingerdarm-Schleimhaut von Kindern mit LB nachgewiesen, die über Unterleibsschmerzen klagten und bei denen Gastritis und/oder Entzündung des Duodenums (Zwölffingerdarms, d. Übers.) dokumentiert wurden.
Es ist angemessen, LB einzubeziehen, wenn man mit diesem klinischen Material konfrontiert wird.

20. Arthritis

Wenn Patienten mit LB nicht behandelt werden, kann sich Arthritis letzendlich in bis zu 60% der Fälle entwickeln.
  • Die Schwellung der Gelenke, die schmerzhaft -oder auch nicht- sein kann, ist oft episodenhaft, wiederkehrend und (von Gelenk zu Gelenk, d. Übers.) wandernd, wenn mehrere Gelenke betroffen sind.
  • Jedes Gelenk kann betroffen sein, einschließlich der temporal-mandibularen (die Schläfe und Unterkiefer betreffenden, d. Übers.) Gelenke und der kleinen Gelenke der Finger (anders als in früheren Berichten dargestellt).
  • Bis zu 10% der unbehandelten LB-Arthritis kann sich in destruktive/deformierende Synovitis entwickeln, die fast identisch ist mit der rheumatischen Arthritis (primär chronische Polyarthritis).
    (Synovitis = Entzündung der Gelenkinnenhaut, poly = viel, zahlreich, d. Übers.)
  • Dr. Lavoie hat die gemeinsamen Befunde von
    • LB und rheumatischer Arthritis und
    • LB und SLE (Lupus)
    veröffentlicht. SLE war begleitet von positiver DS-DNA (doppeltsträngiger DNA), von der man annimmt, daß sie die Diagnose für Lupus darstellt. Dieser Marker verbesserte sich mit antibiotischer Behandlung gegen LB. Der Autor hatte das Gefühl, daß die LB SLE erzeugen/erschweren könnte.

20.1. Ein Beispiel

Ich möchte den Fall einer 38 Jahre alten Frau darstellen, die 24 Tage postpartal (nach ihrem Gebären, d. Übers.) sich mit seropositiver LB zeigte. Sie hatte folgende Vorgeschichte:
  • Juni 1990: Hautausschlag, 15 cm im Durchmesser,
  • Dezember 1990: DS-DNA = 320,
  • Dezember 1990 bis Dezember 1992: seronegative, von verschiedenen Ärzten (einschließlich mir) behandelte Lyme, völlige Beseitigung aller Symptome,
  • Juli 1993: Die Patientin wurde schwanger und ihre früheren Lyme-Symptome wurden wiederbelebt.
  • November 1993: Nun erst lehnte sie nicht mehr ab, das von ihrem OB-GYN (Geburtshelfer-Gynäkologen, d. Übers.) verschriebene Amoxil zu nehmen. Danach folgten 10 Tage Zithromax mit minimalem Resultat.
  • etwa 2 Wochen vor ihrem Besuch am 28. März 1994: Die neuerliche Verschlimmerung ihrer Krankheit beschleunigte sich.
Zusätzlich zu Lyme schlossen ihre damaligen Probleme ein:
  • SLE,
  • episodisches Sjogren's Syndrome (trockener Mund/Augen),
  • Parotitis (Entzündung der Ohrspeicheldrüse, d. Übers.),
  • Antikardiolipin-Antikörper ohne thrombotische Erscheinungen,
  • Polyarthritis (in Fußenkeln, Knien, Hüfte, Schultern und "PIP's" der Finger),
  • eine linksseitige IX.-Neuritis,
  • eine rechtsseitige Bell's Palsy,
  • Ptosis (Senkung, d. Übers.) des linken oberen Augenlids,
  • Myositis (Enzündung des gefäßführenden interstitiellen Bindegewebes im (Skelett-)Muskel mit Sekundärbeteiligung der Muskelfasern, d. Übers.) des Rektus abdominus (Muskels),
  • generalisierte Fibrositis (z.T. als "Weichteilrheumatismus" bezeichnete schmerz/krankhafte Vorgänge an Muskeln und bindegewebsreichen Strukturen der Skelettweichteile, d. Übers.) und Periostitis,
  • degenerative Veränderungen in mehreren Fingergelenken und einigen Kostochondro- (Rippenknorpel-, d. Übers.) Gelenken, und
  • fibrose Mastopathie.
    (Mastopathie = Vermehrung des intra- und interlobulären Bindegewebes der weiblichen Brust mit Sklerosierung und Hyalinisierung des interstitiellen Bindegewebes,
    Sklerose = Verhärtung des Gewebes, d. Übers.)
  • Keine Enzephalopathie!
Die Laborbefunde bestanden in:
  • Lyme ELISA IgG = 1.4 (+) (ELISA = Enzyme Linked Immunosorbent Assay, d. Übers.)
  • Lyme IgM = 320 (++),
  • Lyme IgM durch IFA = 640 (+++),
  • NEGATIV
    • Western Blot (nur 41 KDA) und
    • IgG durch IFA für LB,
  • positive Lyme-IgG-Antikörper in Synovia (Gelenkflüssigkeit, d. Übers.), (Klasse-II-Exudat) gewonnen am rechten Knie = 1.94,
  • DS-DNA = 5120 (weniger als 10 ist normal),
  • ANA = 2560 (+++),
  • positive Sjogren-Antikörper (SSB = 33),
  • positive Antikardiolipin-Antikörper (IgG = 66, IgM = 44.9),
  • Leukozytopenie (Verringerung der Leukozytenzahl, d. Übers.) (wbc = 2800), und
  • Anämie (Verringerung des Hämoglobin, d. Übers.) (Hgb = 11.4), 10 Stabkernige und 1736 Segmentkernige im Diff-BB (Differentialblutbild), BSG = 32, geringfügig verringerte Komplementfaktoren: C3 = 55, C4 = 14.
  • Lyme PCR (ein Test auf DNA von Bb) in Synovia war negativ.
  • eine damalige Vaginalblutung hinderte uns daran, zur gleichen Zeit die U/A (Urinanalyse, d. Übers.) durchzuführen.
  • Weitere Laborbefunde:
    • Fe = 34,
    • Ferritin = 64,
    • Transferrin-Sättigung = 9.36%,
    • Harnstoff = 18,
    • Kreatinin = 0.9,
    • Rheumatoid-Faktor und SSA negativ;
    • Schilddrüsen- und Koagulationsprofile, TSH und PTH, normal;
    • CH50 = 222,
    • CT (Computertomographie) und EKG ohne Beitrag (noncontributory).

Nach selbst-entschiedener Einnahme von Motrin anstelle des verschriebenen Percocet zum Lindern der Gelenkschmerzen, im Verlaufe der Behandlung, entwickelte die Patientin

  • akute Leukopenie (wbc = 1700),
  • Neutropenie (PMN's = 1074), und eine
  • akute Hepatitis mit anomalen Leberenzymen (LFT's) :
    • Gesamt-Bilirubin = 1.58,
    • alkaline Phosphatase = 328,
    • LDH = 344,
    • GGTP = 113,
    • SGOT = 246,
    • SGPT = 285.

Innerhalb von 72 Stunden nach dem Absetzen von Motrin stieg wbc (white blood cell count = Anzahl der weißen Blutkörperchen) auf 4700 an, aber zu diesem Zeitpunkt entwickelte die Patientin

  • eine akute Teillähmung ihrer Beine (3/5), mit Myositis des Deltamuskels, Bizeps und vastus (Musculus vastus, Teil der Oberschenkelmuskulatur, d. Übers.) lateralis (seitlich, d. Übers.),
  • eine neue Links-VII.- Neuritis, und
  • die Polyarthritis war leb- und schmerzhafter.
  • Fieber mit 38.3 C erschien.

    Danach stellten sich ein:

  • Bluthochdruck (BP = 154/94) und
  • ein kleiner perikardialer Erguß und
  • Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut, d. Übers.) (K+ = 3.3 mmol/L).
  • Urin- undBlut-Kulturen waren negativ.
  • Urinanalyse (U/A) enthielt 30-35 wbc, aber keine Proteinurie und Zylindrurie (Harn enthält niedermolekulare Proteine und Harnzylinder, d. Übers.).
  • Erhöhte LFT's wurden wieder angetroffen.
Die Patientin lehnte zu verschiedenen Zeiten ab: Kernspinresonanz-Tomographie des Gehirns, Knochenmark-Aspiration, Liquor (cerebrospinalis)-Entnahme, EEG (Elektroenzephalogramm, d. Übers.) und EMG (Elektromyographie, d. Übers.)

Nach der Einweisung ins Krankenhaus wurde IV Claforan verabreicht. Zur 41. Stunde erreichte eine sich steigernde J-H-Reaktion (Jarisch-Herxheimer-Reaktion, d. Übers.) ein Fiebermaximum von 39.4 C, aber wbc fiel wieder auf ein Niedrigstand von 1800 mit Neutropenie (67.2% = 1200 PMN's). Als die Patientin allmählich wieder fieberfrei wurde (Temperatur 37.8 C) stieg wbc langsam auf 2700 (PMN's = 2100) trotz fortgesetzter Eingabe von Claforan. Die Lähmung ging während der ersten 48 Stunden zurück. Damit einher ging:

  • eine rapide LFT-Normalisierung,
  • ein Verschwinden der Sjogren-Manifestationen und der kranialen Neuropathien,
  • der Blutdruck wurde 120/70,
  • die Muskel-Empfindlichkeit war reduziert, und
  • die Urinanalyse zeigte keinerlei Abweichungen vom Normalen.

Bei der Entlassung nach Hause, am 6. Krankenhaustag,

  • hatte sich die Polyarthritis in 75% der betroffenen Gelenke aufgelöst (nach der Gelenk-Schwellung zu schließen) und im Rest der Gelenke gebessert.
  • Das Fieber war bei 37.6 C.
  • Aber die Knie schmerzten noch, die Patientin hinkte infolgedessen, und der Bewegungsbereich der Kniee, Schultern und Hüften war noch eingeschränkt.
  • Vom 8. bis zum 9. Tag verursachte Biaxin, angefangen am 6. Tag, einen vorübergehenden Gedächtnisverlust ohne Fieber.

Eigenschaften, die die SLE-Diagnose unterstützen, sind:

  • Leukopenie,
  • positive ANA,
  • ein hoher DS-DNA-Titer,
  • Arthritis (R/O Erosionen).

Während des Krankenhausaufenthalts widerrief ein gewissenhafterer Krankenversicherungsdirektor ein früher ausgesprochenes Verbot von intravenösen Antibiotika. Hätte der erste "Prüfer" meinem anfänglichen Behandlungsplan zugestimmt, hätte die Lähmung und die daraus resultierende Krankenhauseinweisung vermieden werden können. Die Behandlung macht Fortschritte. Erneute DS-DNA-, ESR-, ANA (antinukleärer Antikörper, d. Übers.)-, CPK (Kreatin-Phospho-Kinase, d. Übers.)-, C3-, CH50-, und Röntgen- und Kernspintomographie-Auswertung der Gelenke ist beabsichtigt. Die Anämie wird untersucht.

21. Rheumatische Syndrome

Die Liste von rheumatischen Syndromen, entweder verursacht durch LB oder in Verbindung mit ihr, wächst.
  • Dr. Weber und Dr. Schwartzberg haben rheumatische Poly-Myalgie berichtet, die offenbar durch LB hervorgerufen wurde.
  • Wie im oben beschriebenen Fall ist Sjogren's Syndrom mit LB publiziert worden.
  • Antikörper gegen Bb im Kontext von finden sich auch in der Literatur.

Eine wachsende Anhängerzahl von Patienten in meiner Praxis haben anscheinend lange bestehende LB, die bis in ihre "Wachstums-"Jahre zurückdatiert,

  • und ihre Krankheitsgeschichte enthält die vorhergegangene Entwicklung von Osgood-Schlatter-Syndrom (Wasser auf dem Knie) in ihren Teens. Eine Beziehung zu LB kann nicht ausgeschlossen werden.
  • Arthralgien und Knochenschmerzen bei LB können quälend sein. Es ist der unvorsichtige Kliniker oder Elternteil, der diese Symptome mit Sorglosigkeit den "Wachstumsschmerzen" oder dem Älterwerden zuordnet.

21.1. Ein Beispiel

Ein anderer meiner Patienten erinnert sich seit seinem 18. Lebensjahr (1966) an wiederkehrende, wandernde Polyarthritis. Monatliche Medrol-Dose-Packungen (Steroide) schafften es nicht, das klinische Bild zu verändern.
  • 1987 wurde er mit akuter exudativer Synovitis des Knies ins Krankenhaus eingewiesen, wonach Ohrläppchen-Biopsie die klassische histologische Erscheinung der rezidivierenden Polychondritis demonstrierte, einer sehr seltenen Störung mit Manifestationsgipfel im 5. Lebensjahrzehnt.
  • Trotz kontinuierlicher Behandlung mit hoher Dosen von Steroiden (und später mit Methotrexat mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern) entwickelte sich schließlich eine deformierende Arthropathie (Gelenkerkrankung, arthron = Gelenk, Pathia = Leiden, d. Übers.) in seinen Händen, die langsam zwischen Juni 1990 bis Dezember 1992 voranschritt. Früher zu Rate gezogene Ärzte maßen der positiven Lyme ELISA = 1.09 im April 1991 als "niedrigem Titer" keine Bedeutung bei.
  • Im Januar 1991 zeigte sich eine unerwartete Enzephalopathie in Form von Gedächtnis- und Konzentrationsbeeinträchtigung.
  • Der Patient erschien zur Lyme-Evaluation im Januar 1993. Laborwerte schlossen ein:
    • IgG über ELISA = 14.7,
    • IgM durch IFA = 80 und
    • der Western Blot hatte Banden bei 31 und 41 KDA.
  • Die Polysynovitis und die Enzephalopathie zeigten rapiden Respons auf Antibiotika gegen LB.
  • Der Patient wurde schnell von den anderen Medikamenten befreit, obwohl Steroide langsam vermindert werden mußten und nun bei einer irrelevanten Dosis angelangt sind, ohne daß rhematologische Komplikationen aufgetreten wären. Der Patient hat bleibende verkrüppelnde Deformationen an den Händen, ist aber während der Antibiotika-Behandlung symptomfrei.

22. Herz

Herzkomplikationen treten in 8 - 12% der LB-Fälle auf. Leitungsdefekte und Herzblock, von dem der ersten Grades am häufigsten ist, können im EKG erkannt werden. Ein langer Rythmus-Streifen sollte verwendet werde, um damit sporadisch auftretende Blocks zu entdecken. Höhergradige Herzblocks können zu Schwächeanfällen oder Tod führen und Herzschrittmacher nötig machen.

Plötzlicher Tod kann auch aus Arrythmien entstehen. Schneller und langsamer Herzschlag tritt

  • gewöhnlich zur Zeit der Ausbrüche (flares) der Symptome auf und
  • manchmal in der Art des Sinusknotensyndroms ( Brady/Tachykardie).
  • Ventrikuläre Tachykardie wurde als Begleiterscheinung einer LB-Infektion des Herzens dokumentiert und nach Herzbiopsie bestätigt.

  • Die Kardiomyopathie kann durch Stauungsinsuffizienz (CHF, congestive heart failure) kompliziert werden, wie der folgende Fall zeigen mag.

22.1. Ein Beispiel

Ein weißer Patient war in seinen sechsziger Lebensjahren bei mir in LB-Behandlung mit oralen (anfänglich intravenösen) Antibiotika, und im Großen und Ganzen waren seine Symptome unter Kontrolle.
  • Trotzdem beschwerte er sich gelegentlich über "wandernde Schmerzen" (Arthralgien).
  • Ich hatte den Eindruck einer milden Enzephalopathie (Verwirrung), und
  • er hatte eine kurzzeitige, monoartikuläre (nur ein Gelenk betreffende) Arthritis des rechten Knies.

In Übereinstimmung mit zahlreichen Beratern entdeckte unsere Aufarbeitung im Zeitraum einiger Jahre:

  • Diabetes mellitus (nicht Insulin-abhängig),
  • COPD;
  • hypertensive (mit hohem Blutdruck einhergehende, d. Übers.), ischämische (mit Druchblutungsstörungen einhergehende, d. Übers.) und dilative Kardiomyopathie (vergrößertes Herz),
  • sowohl Diabetes- als auch Hepatitis-C-bezogene Leber-Beteiligung wurden bei Leber-Biopsie bestätigt (nicht erleichtert durch frühere Vorliebe für Alkohol),
  • Dickdarm-Karzinom, weshalb er sich einer transversen (im Original: transverse) Kolektomie (Teilentfernung des Dickdarms) unterzog,
  • Kolonpolype (Dickdarm-Polypen) und
  • Barrett's Ösophagus.
  • Infolge eines Sturzes bei der Arbeit erlitt ein LINKS liegender Blinddarm einen Riß (Ruptur) (er sprach daüber in einer Kurve gestürzt zu sein?!, im Original: talk about being thrown a curve?!).

Am bedeutsamsten war, daß er Schwierigkeiten mit

  • wiederkehrender nicht-anhaltender (im Original: non sustained) ventrikulärer Tachykardie (Herzjagen, d. Übers.),
  • atrialer Fibrillation (den Herzvorhof betreffenden irregulären und asynchronen Herzmuskel-Kontraktionen, d. Übers.) und
  • episodischem CHF
hatte, von denen sich alle in steigendem Maße der therapeutischen Kontrolle mit den üblichen Mitteln entzogen. Das führte zu häufigen Krankenhausaufenthalten.
  • Er hatte in der Vergangenheit einen kleinen Myokardininfarkt (Herzmuskelinfarkt, d. Übers.) des diagonalen Zweiges (im Original: diagonal branch) gehabt.
  • Ein MUGA-Scan (Multiple Gated Data Aquisition, quantitative Sequenzszintigraphie, d. Übers.) zeigte einen Ejektionsanteil (ein Maß für die Herzleistungs- und -Punmpenfunktion) von nur 21%, was ziemlich niedrig ist. Seine Belastunsgintoleranz infolge von Kurzatmigkeit schwankte, beeinträchtigte aber seine Lebensqualität beträchtlich.

Während eines Krankenhausaufenthalts wegen akuter CHF mit ventrikulären Arrhythmien im Jahr 1993 fanden wir, daß sich diese Probleme den rein medikamentösen Korrekturversuchen widersetzten. In der Vergangenheit hatte ich bemerkt, daß sich sein Herzzustand verschlimmerte, wenn seine LB aufflammte. Da sich der Patient pulmonare Fibrose (letztendlich reversibel) zugezogen hatte, als Nebenwirkung eines Anti-Arrhythmie-Medikaments, hielten wir ihn nicht für eine Herzbiopsie geeignet.

Intravenöse Gaben von Claforan wurde auf empirischer Basis begonnen, und zu unserem Erstaunen erholte er sich binnen kurzer Zeit von seinem CHF. Ein wiederholter MUGA-Scan am 5. Tag des IV Claforan zeigte einen NORMALEN Ejektionsbruchteil von 51%. Diese willkommene und segensreiche Veränderung seines Zustands wurde durch weiter ausgedehnte IV-Therapie aufrechterhalten. In einem Programm von anschließenden oralen Antibiotika wurde sein CHF zu solch gutem Ausmaß kontrolliert, daß er mitten im Winter ohne Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen 7.5 km zu meiner Praxis laufen konnte.

Nach meiner Meinung

  • war einer der bemerkenswerteren Aspekte dieses Falls die zu den anderen LB-Symptomen disproportionale Art, in der Herzkomplikationen den klinischen Verlauf bestimmten und dennoch glücklicherweise auf IV-Antibiotika reagierten. Eine Behandlung tilgt also Symptome vielleicht nicht gleichzeitig aus.
  • Die andere zentrale Lektion hier ist, daß er wahrscheinlich CHRONISCHE LB hat, eine Diagnose die rein auf klinischem Grund steht, da die Serologie immer negativ war.

Lyme-Kardiomyopathie von einer reinen Verschlimmerung einer Kardiomyopathie (anderen Ursprungs) durch LB zu unterscheiden, bleibt eine ungelöste Aufgabe. Intuitiv könnten wir annehmen, daß die anderen Krankheitsteilursachen, die zu seiner Kardiomyopathie beitrugen, nicht so stark auf Antibiotika ansprechen sollten, außer es gab da eine noch ungeklärte Beziehung zu LB. Seine Herz- und Blutdruck-Medikamente dienen ihm jetzt in vorhersagbarer Weise. Nachdem er nun wieder allein auf orale Therapie gesetzt ist, tritt milde Kurzatmigkeit beim Treppensteigen erneut mit der Zeit auf. Weitere Evaluierung steht bevor.

22.2. Weitere Herzprobleme

Mitralklappenprolaps (MVP) findet man nicht unüblicherweise bei LB. MVP kann assoziiert sein mit irreführenden Brustschmerzen und ventrikulären Arrhythmie. Er ist oft begleitet von Mg++-Mangel, und LB kann selbst der Grund sein für niedrige Mg++-Konzentrationen. Bei einigen wenigen meiner Patienten entwickelte sich MVP nur nach dem Beginn der LB und löste sich mit der LB-Behandlung wieder auf. Brustschmerzen auf Grund von LB kann auf mehreren Ursachen beruhen:
  • Myokarditis (parenchymatöse (das eigentliche Muskelgewebe betreffende) oder interstitielle (das dazwischenliegende Gewebe betreffende) Entzündung des Herzmuskels, d. Übers.),
  • Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels, d. Übers.),
  • Angina,
  • Asthma,
  • Bronchitis,
  • Periostitis der Rippen,
  • Myositis des Brustkorbs und
  • Tendinitis (Entzündung des eigentlichen Sehnengewebes, d. Übers.),
  • sternoklavikulare (Brust- und Schlüsselbein betreffend, d. Übers.) und kostochondrale (den Rippenknorpel betreffend, d. Übers.) Arthritis,
  • Ösophagitis (Entzündung der Speiseröhre, d. Übers.) und Ösophagokrampf,
  • Gastroösophagealer Reflux (Magensäureübertritt in die Speiseröhre, d. Übers.), und
  • Gastritis (Magenschleimhautentzündung, d. Übers.).

Auch erhöhte ACE-Konzentrationen (ACE = angiotensin converting enzyme) wurden bei LB entdeckt (Liegner, 1990). Die Beziehung zwischen hohen ACE-Konzentratonen und Herzkrankheit kann uns mit einem Mechanismus versehen, die anekdotisch vermutete Tendenz von LB zu erklären, die koronare Herzkrankheit zu beschleunigen und Bluthochdruck hervorzurufen. Möglicherweise ist Syndrom X (Angina mit normalen Koronararterien bei Katheterisierung) auf durch LB induzierten arteriellen Krampf zurückzuführen, ein Vorgang, der durch direkte Perivaskulitis und/oder Mg++-Mangel verstärkt werden könnte (siehe Grisold, M. Abstract No. 55F, V Int'l Lyme Symposium).

23. Kalium- und Magnesium-Mangel, Bluthochdruck

Kalium-Mangel ohne eine offensichtliche Ursache entwickelt sich gelegentlich bei LB. In seltenen Fällen sind die K+-Verluste tiefgreifend. Das könnte auf Mg++-Mangel zurückzuführen sein. Ein Neubeginn oder schwierig zu kontrollierender Bluthochdruck wird eher beobachtet. LB sollte Teil der Evaluation von Bluthochdruck sein. LB-Behandlung hat bei einigen Patienten auf einfache Weise die Kontrolle des Blutdrucks erreicht, einige konnten auf die Verwendung von traditionellen Bluthochdruck-Mitteln verzichten.

24. Schilddrüse, Nebenniere, Diabetes

In steigendem Maße treffe ich Schilddrüsenerkrankung bei LB an. Ein Endokrinologe in meiner Gegend bemerkte mir gegenüber in einem Gespräch, daß die Schilddrüse bei LB-Kranken häufiger in Mitleidenschaft gezogen ist, als ausgehend von der Normalbevölkerung zu erwarten wäre. Ein endgültiges Urteil muß bis nach einer rigorosen statistischen Auswertung warten. In vielen dieser Patienten wurde beobachtet, daß die Schilddrüsenfehlfunktion von der Hypophyse oder dem Hypothalamus ausging. Man muß weiterhin aufmerksam die Möglichkeit einer Schilddrüsenerkrankung einbeziehen, weil beträchtlicher klinischer Überlapp mit LB besteht. Subakute Thyroiditis ist das vorwiegende Schilddrüsenphänomen, das ich bei LB sehe. Hypoadrenalismus (Nebenniereninsuffizienz, d. Übers.) kann sich in Einzelfällen entwickeln. Nicht korrigierte hormonelle Aberrationen können eine ansonsten wirksame LB-Therapie in Frage stellen. Wie jede Infektion kann LB den Beginn einer Hyperglykämie provozieren und die Möglichkeiten der Diabetes-Behandlung beeinflussen.

25. Geschlechtsspezifische Organe

Beeinträchtigte Fruchtbarkeit und Libido-Verlust ist nicht selten bei LB. Eine reversible Ursache der Unfruchtbarkeit sollte gesucht und LB einbezogen werden. Verringertes sexuelles Interesse ohne offensichtliche Berechtigung wird gewöhnlich vom Partner mit vorhersagbarer sozialer und psychologischer Unruhe fehlinterpretiert. LB-Infektion im ZNS oder in den Geschlechtsdrüsen könnte der Grund sein.

Bei einigen Patientinnen mit LB wurden

  • gestörte Östrogen- und Progesteron-Konzentrationen gefunden.
  • Eine früh eintretende "Menopause",
  • ausbleibende Regelblutungen und
  • starker Menstruationsfluß repräsentieren einige wenige Störungen bei LB.

Frauen mit symptomatischer LB können

  • den Neubeginn oder verstärkte BMS (ballistic mood swings -spontane extreme Stimmungsschwankungen, d. Übers.- und Irritierbarkeit),
  • perimentruelle (die Menstruation begleitende, d. Übers.) Kopfschmerzen oder Krämpfe
erfahren.

Letztere könnten theoretisch auch auf eine LB-Infektion des Beckens:

  • Ooperitis oder Salpingitis (Eierstock- oder Eileiterentzündung, d. Übers.) und/oder
  • erhöhte PGE-2 (Prostaglandine E-2) - Konzentrationen beruhen, wobei diese bei LB angetroffen und dokumentiert wurde.

Zu einer Neigung (Stimulierung oder Prädisposition) für Onkogenese (Krebsentstehung) durch LB können

  • ein Übermaß an PGE-2,
  • freie Radikale,
  • veränderter Fettmetabolismus und
  • allgemeine Immunsuppression beitragen. Karzinome sind bei LB nicht unbekannt:
    • Melanome,
    • Schilddrüsenkrebs und
    • Lymphome
    sind publiziert worden.

Freie Radikale könnten, über hervorgerufenes Bindegewebe-Cross-Linking, verantwortlich sein dafür, daß

  • sich intra-abdominale Adhäsionen bilden,
  • einige LB-Patientinnen älter aussehen, als ihrem tatsächlichem Alter entspricht,
  • oder einen hageren Gesichtsausdruck haben.

Von einigen Patienten sind

  • Brustschmerzen wegen Mastitis (Entzündung der weiblichen Brustdrüse, d. Übers.) und
  • Schmerzen in den Hoden wegen Orchitis (Hodenentzündung, d. Übers.) beschrieben worden.
Bis heute gibt es drei Männer in unseren Unterlagen, deren Hauptbeschwerden bei LB Beckenschmerzen wegen chronischer Prostatitis sind. Die Therapiewege für LB führten zu besserer Linderung, während der Gebrauch von Cipro oder Doxycyclin allein partielle oder zeitlich begrenzte Besserung brachte.

Fehlerbehaftete Studien haben den Eindruck erweckt, daß die Entwicklung der Schwangerschaft nicht von LB beeinflußt wird. Es gibt beträchtliches Dokumentationsmaterial, das eine ursächliche Beziehung zwischen LB und

  • Totgeburten,
  • Geburtsfehlern,
  • spontaner Fehlgeburt,
  • niedrigem Geburtsgewicht der Babies,
  • Frühgeburt und
  • intra-uteriner Fötusinfektion durch die Mutter
nahelegt. Eine Entwicklungsfolge von unbehandelter LB infolge Mg++-Mangels könnte Präeklampsie (Hypertonie, Bedeutung von hyper) oder Eklampsie (Hypertonie mit Anfällen) sein. Bei der Behandlung dieser Probleme verläßt man sich oft auf Magnesium.

Frauen mit LB in der Schwangerschaft können

  • schwere Übelkeit am Morgen,
  • Schwangerschaft-Diabetes mellitus und
  • beträchtliche Ausbrüche (flares) von lymebezogenen Symptomen haben.

Beides, LB und das Syndrom des plötzlichen unerwarteten Kindstods (SIDS), ist von Apnoe (Atemstillstand, d. Übers.) im Schlaf begleitet. Das sollte weitere Forschung dazu bewegen, zu bestimmen, ob einige Babies mit SIDS in Wirklichkeit an LB leiden. Borrelia burgdorferi können in der Brustmilch auftreten.

26. Fuß und Arm, Muskeln

  • Lyme-Patienten beschweren sich sehr häufig über Fersenschmerzen. Das kann
    • auf einer zugrundeliegenden Fasziitis (Entzündung des Fasziengewebes, d. Übers.) der Fußsohle beruhen, mit oder ohne Hackensporn (Kalkaneussporn, d. Übers.), oder
    • Periostitis des Hackens.
  • Epikondylitis (Tennisarm) ist eine weitere Komplikation.
  • Das Karpaltunnelsyndrom kann sich auch bei LB entwickeln, wenn sie nicht behandelt wird.

Lyme-Patienten tendieren dazu, langsam zu heilen, und sind für Verletzungen am Muskel- und Skelettsystem prädestiniert, häufig ohne die dabei üblichen Vorläufererscheinungen. Ein Patient erfuhr eine Verlagerung seiner Wirbelsäulen-Facette beim Rasieren (üblicherweise im Zusammenhang mit Sport). Sogar beim gut trainierten Athleten kann es eine unerwartete Flut von

  • Muskelkrämpfen,
  • Verstauchungen,
  • Tendinitis (Entzündung des eigentlichen Sehnengewebes, d. Übers.) und
  • Knochen- oder Gelenkschmerzen an lastabtragenden Stellen
geben.

Muskelschwäche tritt bei einigen LB-Patienten auf. Aber häufiger ist die Leistungsfähigkeit bei sportlicher Anstrengung begrenzt durch

  • Kurzatmigkeit,
  • schlechte Koordination,
  • muskuloskeletales Unwohlsein oder
  • Erschöpfung.
Sportliche Betätigung ohne oder zu Beginn einer LB-Behandlung kann einen Ausbruch (flare) von Erschöpfung auslösen, besonders am darauffolgenden Tag.

Schmerzen im unteren Rückenteil können entstehen von

  • Sakroilitis (sacroilitis, Entzündung des Kreuzbeins ?, d. Übers.),
  • paravertebrale, lumbosakrale Muskelzerrung/Krämpfe
    (paravertebral = neben der Wirbelsäule liegend,
    para = neben, vertebra = Wirbelsäule,
    lumbosakral = Lendenwirbelsäule betreffend,
    lumbus = Lende, d. Übers.), und
  • Bandscheibenvorfall.
Bei einigen wenigen Patienten trifft man spinale Stenose an (Stenose = Einengung eines Kanals, d. Übers.).

Entzündung der Bauchdeckenmuskeln, insbesondere des Rectus abdominus, ist ein nicht seltenes Problem. Gewöhnlich sind die wunden Stellen fokal und beziehen eher öfter als selten die seitlichen Ränder des Rektus abdominus Muskels ein. Brechreiz ist oft auch vorhanden. Die Stellen werden am besten eingegrenzt, wenn der Patient ein Valsalva-Manöver (Preßdruck-Versuch mit der Bauchdecke, d. Übers.) macht oder sich halb aufsetzt. Erkennt man die Bauchdecken-Myositis nicht, wird man möglicherweise zu einer überflüssigen umfassenden Magen-Darmtrakt - Untersuchung geführt.

Ein sehr hilfreiches diagnostisches Anzeichen ist ein Wundheitsgefühl, das beim Betasten des medialen Corpus tibiae (Schienbeinschafts, d. Übers.) infolge von Periostitis (Entzündung des Gewebes um den Knochen, wenn nicht des Knochens selbst) auftritt.
(Periostitis "Knochenhautentzündung", peri = um ... herumliegend, os = Knochen, d. Übers.)

Periostitis tritt auch für gewöhnlich bei einer weiteren Spirochäten-Erkrankung, der Syphilis, auf (Textbook of Medicine, Kelley (ed.), 1989, Seite 1587), und ist verantwortlich für die Knochenschmerzen, die sowohl Syphilis- als auch Lyme-Patienten erfahren. Wundheit ist leicht aufzeigbar in 95 % oder mehr der Lyme-Patienten, einfach indem man die knochige Oberfläche des Daumengelenks in einer Höhe von etwa 7 - 15 Zentimeter oberhalb des Fußknöchels gegen die mediale Oberfläche des Schienbeins drückt. Die Stärke der Schmerzempfindung beim Patienten kann variieren, ist aber oft intensiv genug, daß das Bein abrupt zurückzuckt. Der Schmerz dauert oft nach dieser Prozedur noch an. In einer geringen Anzahl von LB-Fällen hat sich die Periostitis im Körper ausgebreitet, und ich habe einige wenige Male eine Beeinflußung des Schädels festgestellt. Nur ein geringer Bruchteil der LB-Patienten haben Periostitis.

Ist es bei Fibrositis, Myositis, Periostitis verwunderlich, daß der kranke LB-Patient Umarmungen als potentielle Folter auffaßt? Die Gefühle der Peinlichkeit bei dadurch verwirrten Familienmitgliedern ist verständlich. Periostitis pubis (des Schambeins) kann Blasenschmerzen vortäuschen oder der Ursprung von Schmerzen im unteren mittleren Unterleib sein, besonders bei Kindern.

Lyme (und Brucella) sollten in die Differentialdiagnose des Desert- Storm-Syndroms einbezogen werden, mit dem LB viele Eigenschaften teilt.

Allen sollte klar sein, daß hier reichlich Gelegenheit zur Forschung gegeben ist. Es ist nicht nötig, der Lyme-Borreliose die "Galileo"-Behandlung zu verpassen. Ich möchte Ihnen für Ihr Interesse danken. Kommentare und Kritik würde ich begrüßen.

Zukünftiger Abschnitt:
Lyme-Borreliose - Eine nach Ländern geordnete Punkte-Bewertung

Jeder Besucher dieser Seite mit Lyme-Diagnose kann einen Punkt für sich eintragen.

Hier planen wir ein länderspezifisches Punkte-System zu erstellen für Besucher dieser Seite. Das sollte eine gute Vorstellung davon geben, wo Lyme-Borreliose gefunden wurde. Eine zweite Liste wird offen sein für Leute, die glauben, sie müßten auf Grund der Checkliste oder des Essays als Lyme-Kranke diagnostiziert werden. Ein Vergleich beider Listen würde deutlich zeigen, wo Lyme nicht ausreichend diagnostiziert wird.


Candida-Fragebogen und -Punktliste

Candidiasis ist bei den Menschen, die mit Lyme kämpfen, ein häufiger Begleiter (der ebenso häufig nicht erkannt wird). Sie kann zu Zuständen wie Erschöpfung (besonders nach den Mahlzeiten), Gedächtnis-Problemen, Depression usw. beitragen.

Wegen ihrer Länge wurde diese Checkliste auf eine eigene Seite gelegt.


Index verwendeter Stichworte

- im wesentlichen in der Reihenfolge der Erscheinung im Text-


  • Infektion, Lyme-Borreliose
  • Erythema migrans, Exanthem, vesikulär, urticarial, Wanderröte, Akrodermatitis chronica atrophicans (Pick-Herxheimer), acrodermatitis
  • Autoimmunreaktion
  • erkältungsähnliche Symptome, flu-like
  • Meningitis
  • zentrales Nervensystem, limbisches System
  • neurologisch
  • Neuritis
  • Arthritis
  • Fazialisparese, Gesichtslähmung, facial palsy
  • Augennerventzündung, opticus neuritis
  • nervus facialis, V. Hirnnerv, VII. Hirnnerv, V Hirnnerv, VII Hirnnerv, Unsymetrische (Asymetrie) der Gesichtsfalten, Bell's Palsy, Gesichtslähmung, Gesichtsfeldausfall
  • Enzephalopathie, encephalopathia
  • VII. Hirnnerv, Lichtempfindlichkeit der Augen
  • Nebel im Gehirn
  • Beeinträchtigung von schöpferisch-produktiver Intelligenz und Denkinitiative, Einfalls-, Wort- und Begriffsarmut, Gefühl geistiger Leere, Konzentrations- und Merkschwäche, Reizbarkeit, explosive Nervosität, oberflächlicher Schlaf, Müdigkeit, Erschöpfung, Chronisches Erschöpfungssydrom, chronic fatigue syndrom (CFS), Hypersomnolenz, Hypersomnie
  • Empfindlichkeit gegen laute Geräusche, grelles Licht und hohe Temperatur,
  • Multiple Sklerose, multiple sclerosis (MS), Enzephalomyelitis disseminata, disseminated encephalomyelitis
  • Fibromyalgie, Fibromyalgia
  • Lupus
  • Candidiasis
  • chronische Mononukleose, Chronic mononucleosis
  • Hypoglykämie, Hypoglycemia
  • Stress-related illness
  • Hyperkinetik, Geschwinds Syndrom
  • Rötungen der Haut
  • Jarisch-Herxheimer-Reaktion, Jarisch-Herxheimer reaction, Serumkrankheitsreaktion, Lymphozytom der Ohrläppchen
  • Raynaud-Krankheit, akrale Durchblutungsstörungen, kalte Hände, kalte Füße, akrales Ischämiesyndrom, vasospastisches Syndrom, Gefäßverengung, kapillarer Sphinkter
  • limbisch, Hypothalamus
  • Hypothyroidismus
  • Psoriasis
  • Fehlempfindungen, Jucken, Parästhesien der Haut
  • Muskelzucken, Tremor, myoklonisches Zucken
  • Schwitzen, Anhydrosis, Unfähigkeit zum Schwitzen
  • Benommenheit, Gleichgewichtsstörung, Vergiftungsgefühl, Vergeßlichkeit
  • Angst, Stimmungsschwankungen, Depression
  • Disorientierung, beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis, kognitive Störungen,
  • Unaufmerksamkeit, Aprosexia, Hyperaktivität
  • Tourette, Obsessive Compulsive Disorder, Shaken Baby Syndrom
  • Klaustophobie, Agoraphobie, Selbstmord-Gedanken
  • Anorexie, Bulimie, Unzinatus-Anfälle
  • Perivaskulitis
  • Enzephalitis
  • metabolische Aberrationen, intrazelluläre Azidose
  • Demyelinisierung, Läsionen, Plaques
  • Gehirn, Neuronen, neurologische Komplikationen, kranial Neuritis, psychiatrisch, intrapontine Läsionen
  • oligoklonale Banden, IgM, IgG, Myelin-basiertes Protein, MRI, Magnetic Resonance Imaging, SPECT, Single Photon Emission Computer Tomography
  • Mononeuritis, Polyneuritis, Radikuloneuritis, Neuropathie, Guillain-Barre, nervus trigeminus
  • Parkinson
  • Sinusitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Asthma, Bronchitis, Otitis, Ohrenentzündung
  • Mastoiditis
  • Konjunktivitis, Bindehautentzündung, okulare Myalgie, Augenmuskelschmerz, Keratitis, Augenhornhaut-Entzündung, Episkleritis, Optikusneuritis, Entzündung des Sehnervs, Pars Planitis, Uveitis, Arteritis temporalis, Vitritis, Augenglaskörper-Entzündung, Ödem in der Periorbita, Augenhöhle, Horner's Syndrom, Argyll-Robertson-Phänomen
  • Häpatitis
  • Zysten
  • Harnverzögerung, Blasenbewußtsein, Inkontinenz, Urinrückhaltung, Harnwegeinfektion
    Pyelonephritis, Entzündung des Nebennierenbeckens
  • Verstopfung, Colitis ulcerosa, Kolitis, Gastritis, Duodenum, Zwölffingerdarm
  • Arthritis, SLE, Synovia, rheumatisch, Arthralgie, Gelenkschmerz, Knochenschmerz
  • Arrythmie, Herzblock, Bradykarde, Tachykardie, Kardiomyopathie, congestive heart failure (CFH), Angina, Perikarditis
  • Periostitis, Tendinitis, Entzündung des Sehnengewebes, Ösophagitis
  • Entzündung der Speiseröhre, Magenschleimhautentzündung,
  • ACE-Konzentrationen, Bluthochdruck, Hypophyse
  • Östrogen, Menopause, ausbleibende Menstruation, Menstruationsfluß, Ooperitis, Eierstockentzündung, Salpingitis, Eierstockentzündung, PGE-2, Protaglandine E-2, Orchitis, Hodenentzündung, Präeklampsie, Hypertonie, Eklampsie, Schwangerschaftsdiabetes
  • Apnoe, Atemstillstand im Schlaf, sudden infant death syndrom (SIDS), plötzlicher unerwarteter Kindstod
  • Karpaltunnelsyndrom, Kurzatmigkeit, Sakroilitis, Muskelzerrung, Muskelkrampf
  • spinale Stenose
  • Burrascano JJ, Jaqueline MS, Miklossy, Marshall V, Coyle, Liegner KB

Anmerkung des Übersetzers:

Weiterführende Literatur

  1. Symptoms, in Lyme Files, Cheryl's LymeInfo.Net
    Lyme disease is a systemic infection, affecting many parts of the body and causing extensive symptoms as demonstrated by these abstracts. 40 pages.

  2. Stanek G, Strle F, Lyme borreliosis, Lancet, 2003;362:1639-47
    Dies ist einer von Dutzenden von Übersichtsartikeln, die jedes Jahr erscheinen und immer dasselbe Mantra wiederholen, um einen Zugang zu der Krankheit zu etablieren, der an der Tagesordnung ist. Neue Informationen zur Krankheit enthält er nicht.

    Da wegen seines Todes John Bleiweiss' Literaturangaben nun nicht mehr bis in die Gegenwart reichen, könnte Stanek und Strles Übersichtsartikel im Fall der Ermangelung einer besseren Alternative als Startpunkt für eine eigene Literaturrecherche zu Lyme-Symptomen genommen werden (Stanke und Strle verwendeten folgende Such-Strategie und Auswahl-Kriterien: MEDLINE von 1985 bis heute, Search Terms "Lyme borreliosis, Lyme disease, /Borrelia burgdorferi/, /Borrelia afzelii/, and /Borrelia garinii/". Abstracts der 9th International Conference on Lyme borreliosis and other tick borne diseases (New York, 2002) sind einbezogen worden.)

    Stanek und Strles Therapie-Angaben erscheinen mir (J. Gruber) veraltet. Sie referieren nur die "Einheitstherapie", die das individuelle Ansprechen des Kranken auf die Therapie unberücksichtigt läßt, und berichten von deren gelegentlichen Mißerfolgen. Im Gegensatz dazu paßt z.B. J.J. Burrascano seine Borreliose-Behandlung an den Therapieverlauf an (siehe auch "Immunantwort: Bestimmung, mathematisches Modell und Auswertung zur Steuerung der Therapie") ebenso wie es eine Reihe von Medizinern und Wissenschaftlern bei anderen Erkrankungen tun. Der Erfolg dieser gezielten, auf den vorliegenden Krankheitsfall zugeschnittenen Therapien wird seit den 70'ger Jahren in medizinischen Zeitschriften berichtet.

  3. Amy Tan on Lyme Disease

Schicken Sie Ihre Fragen und Kommentare an: Joachim Gruber

Copyright 1996, 1997 beim Autor und bei Don Chinnici

Version: November 10, 2005.


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